Die Anfänge des Roten Kreuzes in Celle
Die Rotkreuz-Arbeit in Celle und Umgebung begann vor 160 Jahren. Nur drei Jahre nach der Gründung des Internationalen Roten Kreuzes durch Henry Dunant in Genf fand dessen humanitäre Idee auch in Celle ihren Ausdruck.
Auslöser war die Schlacht bei Langensalza am 27. Juni 1866. In dem verlustreichen Gefecht zwischen den Truppen Preußens und des Königreichs Hannover wurden zahlreiche Soldaten verwundet oder getötet, darunter auch Männer aus Celle und dem Umland.
Um den Verwundeten sowie den Familien der Gefallenen zu helfen, gründete sich am 9. Juli 1866 das „Comité zur Unterstützung der in der Schlacht von Langensalza verwundeten Hannoveraner Soldaten“. Diese Initiative gilt als Beginn der organisierten Rotkreuz-Arbeit in Celle.
Bereits wenige Tage später rief das Comité über die Cellesche Zeitung zu Spenden auf. Lebensmittel, Kleidung, Geld und Sachspenden ermöglichten es, Verwundete, Hinterbliebene sowie Witwen und Waisen bis in das Jahr 1867 hinein zu unterstützen.
Die Frauen übernehmen Verantwortung
Aus dem ursprünglichen Hilfskomitee entwickelte sich später der „Local-Verein zur Pflege verwundeter und erkrankter Krieger“. Einen entscheidenden Impuls erhielt die Arbeit durch den von Königin Augusta von Preußen 1866 gegründeten Vaterländischen Frauenverein.
Am 19. Juli 1870 entstand in Celle mit 705 Mitgliedern der „Vaterländische Frauen-Zweig-Verein zu Celle“ unter dem Zeichen des Roten Kreuzes. Die Frauen übernahmen fortan eine zentrale Rolle in der sozialen und humanitären Arbeit.
Neben der Unterstützung von Verwundeten sammelten die Mitglieder Geld- und Sachspenden, organisierten Hilfsaktionen und schufen wichtige soziale Angebote für die Bevölkerung.
Hilfe für Bedürftige: Die Volksküchen
Ende des 19. Jahrhunderts weitete der Frauenverein seine Tätigkeit deutlich aus. Angesichts steigender Lebenshaltungskosten und großer sozialer Not wurde 1891 eine Volksküche eingerichtet.
Im Waisenhaus an der Fritzenwiese erhielten bedürftige Menschen warme Mahlzeiten zu günstigen Preisen. Die Volksküche entwickelte sich schnell zu einer wichtigen sozialen Einrichtung in der Stadt.
Gleichzeitig entstand der Wunsch nach einem eigenen Vereinshaus. Dank eines erfolgreichen Wohltätigkeitsbazars konnte dieses Vorhaben verwirklicht werden.
Das erste Rot-Kreuz-Haus
Am 15. Mai 1895 bezog der Verein sein eigenes Vereinsheim in der Fritzenwiese. Das sogenannte „Rot-Kreuz-Haus“ wurde zum Mittelpunkt der sozialen Arbeit.
Hier fanden Vorstandssitzungen, Weihnachtsfeiern für ältere und alleinstehende Menschen sowie Ausbildungsangebote statt. Erste-Hilfe-Kurse, Vorträge zu Gesundheitsfragen und Kurse zur Säuglingspflege gehörten ebenso zum Angebot wie ein Nähverein zur Unterstützung des Allgemeinen Krankenhauses.
Die Zusammenarbeit mit städtischen Einrichtungen und Wohlfahrtsorganisationen machte das Rotkreuz-Haus zu einem wichtigen sozialen Zentrum der Stadt.
Das Deutsche Rote Kreuz in der NS-Zeit
Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 veränderten sich auch die Strukturen des Deutschen Roten Kreuzes. Neue Satzungen wurden eingeführt, und das DRK wurde zunehmend in die staatlichen und gesellschaftlichen Strukturen des NS-Regimes eingebunden.
Durch das DRK-Gesetz von 1937 wurden die bisherigen Verbände und Vereine zu einer einheitlichen Organisation zusammengeführt.
1938 entstand in der Fundumstraße 1 ein neues Rotkreuz-Haus, das damals den Namen „Viktor-Lutze-Haus“ trug. Von hier aus wurden zahlreiche Aktivitäten des Roten Kreuzes in Celle koordiniert. Auch die bereits 1894 gegründete Freiwillige Sanitätskolonne erhielt dort ihren Standort.
Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Deutsche Rote Kreuz von den Besatzungsmächten zunächst aufgelöst und anschließend schrittweise neu organisiert.
Das DRK-Haus in der Fundumstraße diente in den Nachkriegsjahren als wichtige Anlaufstelle für ehemalige KZ-Häftlinge und Vertriebene.
1950 erhielt das Gebäude den Namen Ernst-Schädlich-Haus, benannt nach dem Celler Sozialdemokraten Ernst Schädlich (1884-1949).
Bereits 1949 war mit der Eintragung des DRK-Kreisverbandes Celle-Land ein neues Kapitel der Rotkreuz-Geschichte aufgeschlagen worden. Kurz darauf übertrug die Stadt Celle dem Verband den Krankentransport und den Unfallrettungsdienst. Damit begann der Aufbau jener Strukturen, die bis heute einen wichtigen Bestandteil der Rotkreuz-Arbeit in der Region bilden.


